Die Frau hinter der Goldmedaille: Janine Flock im OHOR-Porträt
Als das One Hour One Room-Magazin Janine Flock im Mai 2024 in Innsbruck besuchte, war ihr großer olympischer Traum noch unerfüllt...
Fast zwei Jahre später gewann die Tirolerin Gold in Cortina und wurde zu Österreichs Sportlerin des Jahres 2026 gewählt. Das nun veröffentlichte Porträt „Vor dem Gold“ zeigt eine andere Seite der Olympiasiegerin: eine Frau, die ihren eigenen Weg geht, offen über ihren Körper spricht und weiß, was ihr der Spitzensport abverlangt.
Es war kein Gespräch über Medaillen oder Bestzeiten. Als Autorin Karin Singer-Golliasch und Fotograf Chris Singer Janine Flock im Mai 2024 in Innsbruck trafen, interessierten sie sich vor allem für den Menschen hinter der Skeletonathletin. Wie lebt eine Frau, die mit dem Kopf voraus durch den Eiskanal rast? Was bedeutet es, den eigenen Körper konsequent auf Höchstleistung auszurichten? Und was bleibt neben dem Spitzensport vom gewöhnlichen Alltag?
Die Antworten sind im englischsprachigen OHOR-Porträt „Vor dem Gold“ nachzulesen, das am 23. Oktober 2026 erschienen ist.
Ein Leben nach dem Trainingsplan
„Ich richte mein gesamtes Leben auf den Leistungssport aus. Das betrifft nicht nur mich, sondern auch meine Familie, meinen Partner und meine Freunde“, erklärte Flock damals.
Training, Wettkämpfe und Regeneration bestimmen seit vielen Jahren ihren Alltag. Spontane Wochenenden, Familienfeiern oder Geburtstage müssen häufig zurückstehen. Flock sprach darüber ohne großes Bedauern, aber auch ohne die damit verbundenen Einschränkungen kleinzureden.
Sie weiß, dass diese Lebensphase nicht ewig dauern wird. Und sie freut sich auf Dinge, für die derzeit kaum Platz bleibt: Bergtouren, Klettern und andere Sportarten, die sie irgendwann einfach aus Freude an der Bewegung ausüben möchte – ohne dabei an Trainingspläne oder Verletzungsrisiken denken zu müssen.
Weiblichkeit und Leistungssport
Besonders offen sprach die Tirolerin über ihr Verhältnis zum eigenen Körper. Im Skeletonsport beeinflussen Körpergewicht, Aerodynamik und Kraft die Geschwindigkeit. Für die Wettkampfsaison nimmt Flock deshalb gezielt fünf bis acht Kilogramm zu.
Mehr Muskelmasse, breitere Schultern und Kleidung, die plötzlich nicht mehr passt: Veränderungen, mit denen sie sich erst arrangieren musste.
„Ich genieße es sehr, eine Frau zu sein. Aber in dieser Phase meines Lebens ist es nicht immer einfach, Spitzensport und mein Empfinden von Weiblichkeit miteinander zu verbinden“, sagte sie.
Entscheidend sei für sie letztlich die Funktion ihres Körpers: „Das Wichtigste ist nicht, wie mein Körper aussieht, sondern wie er funktioniert. Er muss gesund sein, damit ich meine sportlichen Ziele erreichen kann.“
Auch über ihren Menstruationszyklus, hormonelle Veränderungen und deren Auswirkungen auf Training und Leistungsfähigkeit sprach Flock offen. Nach einer Rückenoperation hatte sie gelernt, körperliche Signale noch bewusster wahrzunehmen und ihre Belastung entsprechend anzupassen.
„Wir müssen dieses Tabu brechen und offen darüber sprechen“, betonte sie. Gerade junge Sportlerinnen sollten mit ihren spezifischen Bedürfnissen im Trainingsalltag mehr Verständnis und Unterstützung erfahren.
Was vor dem Gold niemand sah
Im Mai 2024 lag der olympische Höhepunkt noch in weiter Ferne. Flock beschrieb die Vorbereitung als vierjährigen Prozess, in dem Training, Material, Regeneration und körperliche Entwicklung immer wieder überprüft und angepasst werden.
Dabei ließ sie sich auch nach mehr als zwei Jahrzehnten im Spitzensport von der Konkurrenz antreiben: „Ich orientiere mich an den Besten. Konkurrenz motiviert mich.“
Im Februar 2026 wurde aus der jahrelangen Arbeit olympisches Gold. Doch das OHO-Porträt macht deutlich, dass die Geschichte dahinter weit über diesen einen Erfolg hinausgeht.
Besonders in Erinnerung blieb der Autorin eine scheinbar einfache Zukunftsvorstellung: Janine Flock, die ihr Leben lang möglichst schnell einen Berg hinuntergefahren ist, freut sich darauf, irgendwann wieder ganz ohne Zeitdruck einen Berg hinaufzuwandern.
Ein lesenswerter Blick auf die Frau hinter der Olympiasiegerin – und auf all das, was lange vor der Goldmedaille wichtig war. Zum englischen Originalporträt von Karin Singer-Golliasch mit Fotos von Chris Singer: „Vor dem Gold“ im OHOR Magazin


