Mit Vollgas durch den Sommer: Nächster Schub für Skeleton-Team
Österreichs Skeleton-Team hat auf der vereisten Anschubbahn in Königssee einen intensiven Trainingsblock absolviert.
Für Olympiasiegerin Janine Flock und Samuel Maier war das Push Camp ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum ersten großen Ziel des neuen Olympiazyklus – der WM 2027 in Lillehammer. Aber auch dahinter wird Druck gemacht: Alexander Schlintner stellte einen neuen persönlichen Startrekord auf, die Zusammenarbeit zwischen Nationalteam, Heimtrainern und Sportwissenschaft wurde intensiviert.
Endlich wieder Eis unter den Spikes! Janine Flock, Samuel Maier, Alexander Schlintner, Roman Tanzer, Annia Unterscheider, Anna Saulite und Julia Erlacher absolvierten unter der Leitung von Skeleton-Nationaltrainer Michael Grünberger ein intensives Push Camp auf der vereisten Anschubbahn in Berchtesgaden.
Unterstützt wurde Grünberger erstmals in dieser Form von ÖBSV-Sportwissenschafter Walter Hable. Der 57-Jährige, der Flock und Maier bereits in den vergangenen vier Jahren individuell betreute und Flock auf dem Weg zu Olympiagold begleitete, stellt sein Know-how seit diesem Sommer dem gesamten Verband zur Verfügung. Und genau das wurde in Königssee erstmals im Trainingsalltag sichtbar.
Flock: „Ich freue mich, dass wir wieder auf Eis stehen“
Olympiasiegerin Janine Flock startete etwas später als gewohnt in ihre 17. Weltcupsaison: „Durch die vielen Termine nach Olympia hat bei mir das Training ein bisschen verzögert begonnen, der ganze Rhythmus ist heuer etwas anders als sonst. Trotzdem bin ich in gewissen Bereichen sogar weiter als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr. Ich freue mich einfach, dass wir wieder auf Eis stehen.“
Ganz ohne körperliche Baustellen verläuft der Sommer der Olympiasiegerin allerdings nicht. Seit einigen Wochen macht sich wieder die Achillessehne bemerkbar. „Ich bin in Behandlung, aber es ist etwas langwierig. Das kann bei der Belastung immer wieder auftreten. Deshalb geht es jetzt darum, vernünftig damit umzugehen und trotzdem Schritt für Schritt weiterzuarbeiten.“
Nationaltrainer Grünberger spricht in diesem Zusammenhang vom mittlerweile bestens bekannten „Körpermanagement“ der langjährigen Weltklasseathletin. Entscheidend sei, die Belastungen gezielt zu steuern und Flock zum richtigen Zeitpunkt in Bestform zu bringen.
Grünberger: „Wir wollen nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten“
Mindestens genauso wichtig wie Zeiten und technische Veränderungen war für Grünberger in Königssee die neue Form der Zusammenarbeit innerhalb des ÖBSV.
„Die Arbeit, die Walter mit Janine und Samy seit vier Jahren gemacht hat, wird weitergeführt. Der große Unterschied ist, dass er seine Impulse jetzt als offizieller Sportwissenschafter des ÖBSV direkt einbringen kann und auch der Rest der Mannschaft davon profitiert“, erklärt der Nationaltrainer. Die Zusammenarbeit habe vom ersten Training an funktioniert.
„Walter wurde von der Mannschaft super aufgenommen. Nach jeder Einheit macht er Videoanalysen und die Heimtrainer bekommen die Informationen direkt weitergeleitet. Genau dieser Austausch ist wichtig. Wir haben viele Spezialisten rund um unsere Athletinnen und Athleten. Mein Wunsch war schon in den vergangenen zwei Jahren, dass wir nicht nebeneinander arbeiten, sondern miteinander. In Königssee hat man gesehen, welche Früchte das tragen kann.“
Ein konkretes Beispiel lieferte Alexander Schlintner. Der Niederösterreicher setzte die Impulse seines Heimtrainings mit den zusätzlichen Analysen Hables um und stellte auf der Anschubbahn einen neuen persönlichen Startrekord auf. Grünberger: „Natürlich macht uns das happy. Vor allem zeigt es aber, welches Potenzial darin steckt, wenn die verschiedenen Experten miteinander arbeiten.“
Heimtrainer direkt ins Nationalteam eingebunden
Bei Roman Tanzer, Annia Unterscheider und Anna Saulite wurde der neue Ansatz noch unmittelbarer umgesetzt. Mit Thomas Neuhauser war ihr Athletik- und Sprinttrainer selbst in Königssee dabei. Neuhauser ist im Österreichischen Leichtathletik-Verband als Nationaltrainer Stabhochsprung tätig und konnte sich direkt mit Hable und Grünberger austauschen.
„Die Heimtrainer sind ausdrücklich eingeladen, bei diesen Lehrgängen dabei zu sein“, betont Grünberger. „Der Austausch zwischen Walter und Thomas hat hervorragend funktioniert und wurde von allen sehr gut angenommen. Ich bin überzeugt, dass das der nächste Schritt in die richtige Richtung ist und wir uns dadurch als gesamte Mannschaft speziell am Start noch einmal entwickeln können.“
Damit wird jener Ansatz in die Praxis umgesetzt, den Hable bei seinem Einstieg als ÖBSV-Sportwissenschafter angekündigt hatte: keine zentral verordneten Trainingspläne, sondern ein gemeinsamer Rahmen und sportwissenschaftliche Unterstützung auf Augenhöhe mit National-, Heim- und Stützpunkttrainern.
Samuel Maier macht „brutale Entwicklung“
Besonders erfreuliche Nachrichten gibt es auch von Samuel Maier. Der Olympiateilnehmer hat laut Grünberger während der Sommervorbereitung einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. „Samy hat sich brutal entwickelt“, sagt der Nationaltrainer. Nach medizinischer Unterstützung aufgrund einer Fehlstellung im Becken habe sich speziell sein Bewegungsablauf beim Start „wirklich sehr zum Positiven entwickelt“.
In den kommenden Trainingsblöcken soll nun auch am Material weiter experimentiert werden. Im Fokus steht unter anderem das Gewicht des Schlittens.
„Ich bin überzeugt, dass Samy vorne nicht unbedingt einen so schweren Schlitten braucht. Ein leichterer Schlitten lässt sich entsprechend leichter anschieben. Jetzt müssen wir herausfinden, ob sich ein anderes Setup beim Fahren in der Bahn negativ auswirkt. Da haben wir noch einige Dinge zum Probieren – und genau dafür ist die Vorbereitung da.“
Baumgartner durch Virus gestoppt, Auer beruflich verhindert
Nicht mit dabei war Nachwuchshoffnung Sarah Baumgartner. Für sie begann in diesem Sommer mit dem Einstieg in das Heeressportzentrum ein neuer Abschnitt ihrer Karriere. Während der Grundausbildung fing sich die Neo-Heeressportlerin allerdings einen Virus ein und musste deshalb auf das Push Camp verzichten. Olympiateilnehmer Florian Auer fehlte aus beruflichen Gründen.
Für Grünberger ändert das nichts am positiven Gesamtbild: „Man sieht, dass die Leute zuhause mit ihren Trainern sehr gut arbeiten. Walter konnte das ebenfalls bestätigen. Natürlich gibt es in einer intensiven Trainingsphase das eine oder andere Wehwehchen. Aber grundsätzlich läuft die Vorbereitung planmäßig und sehr gut.“
Am 21. September geht's in den Windkanal
Nach Königssee geht die individuelle Vorbereitung weiter, bis zu den nächsten gemeinsamen Terminen. Vom 14. bis 16. September kehrt das Skeleton-Team für weitere drei Tage Starttraining auf die Anschubbahn in Königssee zurück. Nur fünf Tage später wechselt der Schauplatz vom Eis ins Labor: Am 21. September stehen für Janine Flock, Samuel Maier und Sarah Baumgartner Windkanaltests in Graz auf dem Programm.
Dabei geht es nicht nur um die Position auf dem Schlitten. Der ÖBSV wird unter anderem neues Material für die Rennanzüge testen. Zusätzlich stehen Veränderungen am Skeleton selbst auf dem Prüfstand. Die Erkenntnisse sollen anschließend dem gesamten Team zugutekommen.
Zwei Wege – ein gemeinsames Ziel
Im Oktober teilt sich das Team vorübergehend auf. Hintergrund ist eine bewusst gewählte sportliche Strategie. Für Flock und Maier, die ihre Weltcup-Tickets bereits fix in der Tasche haben, liegt der Fokus von Beginn an auf dem Saisonhöhepunkt: der WM im Februar 2027 in Lillehammer. Der restliche Kader soll sich Schritt für Schritt an die erweiterte Weltspitze heranarbeiten und gleichzeitig um die weiteren internationalen Startplätze kämpfen.
Deshalb steigen Flock und Maier besonders früh auf der WM-Bahn ins Training ein. Am 16. Oktober fliegen die beiden nach Norwegen und trainieren dort bis 25. Oktober. Auch aus der Ferne bleibt Grünberger eingebunden: Videos der Trainingsfahrten werden ihm zur Analyse übermittelt, Linienwahl und fahrtechnische Details können damit laufend besprochen werden. Vor Ort sind Flock und Maier zudem in die Zusammenarbeit mit den ebenfalls in Lillehammer trainierenden österreichischen Bobteams eingebunden. Auch Physiotherapeut Lukas Reiter ist mit von der Partie.
19. Oktober: Neustart in Igls und erster Schubtest
Während Flock und Maier bereits die WM-Bahn kennenlernen, wartet auf den restlichen Skeleton-Kader ein weiterer Meilenstein: Am 19. Oktober sind in Innsbruck-Igls die ersten Testfahrten und die nationale Homologierung der umgebauten Bahn vorgesehen. Am selben Tag steht außerdem der erste Schubtest des neuen Olympiazyklus auf dem Programm. Am 1. November werden Österreichische und Tiroler Meisterschaften in Igls ausgetragen, gleichzeitig zählt das Ergebnis zur Weltcup-Qualifikation. Am 7. und 8. November findet die zweite Weltcup-Qualifikation im WM-Format über vier Läufe statt.
Die Testsystematik soll künftig gemeinsam mit dem Olympiazentrum weiterentwickelt werden. Für Grünberger ein wesentlicher Baustein auf dem Weg Richtung 2030: „Das geht alles in eine sehr gute Richtung – sehr wissenschaftlich und sehr professionell. Wir werden dadurch gute Daten bekommen. Langfristig ist das für den gesamten Verband ein großer Vorteil.“ Nach ihrem Lillehammer-Block stoßen auch Flock und Maier wieder zum Team in Igls.


