Triumph, Tränen, nächster Traum

16. Oktober 2026

Was für eine Nacht für die Skeleton-Olympiasiegerin! Nach ihrer Wahl zu Österreichs Sportlerin des Jahres 2026 sprach Janine Flock über einen unvergesslichen Abend bei der Lotterien Sporthilfe-Gala, die Anerkennung für ihre Sportart und die Bedeutung von Mut und Geduld.

Viel Zeit zum Feiern blieb nicht: Schon Freitagfrüh ging es für die 37-Jährige nach Lillehammer, wo die Vorbereitung auf die neue Saison und die WM 2027 beginnt.

 „Ich bin wirklich sprachlos.“ Janine Flock hatte gerade den vier Kilogramm schweren Niki als Österreichs Sportlerin des Jahres 2026 entgegengenommen, als sie auf der Bühne der Wiener Stadthalle von ihren Gefühlen überwältigt wurde. Rund 1.500 Gäste erlebten bei der Lotterien Sporthilfe-Gala, wie die sonst so kontrollierte Skeleton-Olympiasiegerin mit den Tränen kämpfte. Als die Bilder ihres Goldlaufs von Cortina noch einmal über die Leinwand flimmerten, war es um ihre Fassung geschehen.

„Normalerweise verdrücke ich keine Tränen, ich kann mich emotional gut regulieren. Aber heute sind die Tränen geflossen, als dieser Moment noch einmal präsent war“, erzählte Flock anschließend in der Mixed Zone. Besonders bewegend war für sie, dass ihre Familie diesen Abend miterlebte. Lebensgefährte Matthias Guggenberger, Mutter, Vater, Schwester und Bruder waren in Wien dabei.

„Eine besondere Wertschätzung für meinen Weg und meine Sportart“

Die dreifache Gesamtweltcupsiegerin, vierfache Europameisterin und dreifache WM-Medaillengewinnerin war bereits mehrfach unter Österreichs drei beste Sportlerinnen gewählt worden. Nun durfte sie den Niki erstmals mit nach Hause nehmen.

„Diese Auszeichnung ist nicht nur eine besondere Wertschätzung für meinen persönlichen Weg, sondern auch für meine Sportart. Skeleton ist eine Nischensportart, hinter der unglaublich viele Menschen stehen. Dass unsere Geschichten gesehen und unsere Leistungen anerkannt werden, bedeutet mir enorm viel.“ Flock hofft, dass ihr Olympiasieg und die Wahl zur Sportlerin des Jahres auch dem Nachwuchs neue Perspektiven eröffnen. Sie selbst erinnert sich noch gut an ihre erste Skeleton-Fahrt. Es habe mehrere Anläufe gebraucht, bis sie sich tatsächlich getraut habe, kopfüber durch den Eiskanal zu fahren. Die Neugier sei damals stärker gewesen als die Angst.

„Man muss sich einfach trauen, den ersten Schritt zu machen. Man ist nicht immer bereit für alles, was auf einen zukommt. Aber wenn man auf seinen Instinkt und seine Intuition vertraut, Freude an dem hat, was man tut, und die Liebe zum Sport nie verliert, kann unglaublich viel entstehen. Ganz wichtig ist dabei auch der Zusammenhalt.“

„Mein Gold ist die Geduld“

Dass dieser Weg nicht immer geradlinig verlief, zeigt ein Blick auf die vergangenen acht Jahre. 2018 verpasste Flock in Pyeongchang als Führende vor dem letzten Lauf eine Olympiamedaille um zwei Hundertstelsekunden. Die Enttäuschung beschäftigte sie beinahe ein Jahr lang. Doch sie hielt an ihrem Ziel fest.

Auch die unmittelbare Vorbereitung auf die Winterspiele 2026 war von Rückschlägen geprägt. Eine Knieverletzung und heftige Zwischenfälle im Eiskanal machten ihr zu schaffen. Rund einen Monat vor Olympia lag sie nicht mehr auf dem Schlitten. Stattdessen analysierte sie Bahnen und Mitstreiterinnen und arbeitete intensiv an ihrer mentalen Vorbereitung.

Am 14. Februar in Cortina zahlte sich das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg aus: Flock gewann bei ihren vierten Olympischen Spielen Gold. Rückblickend sieht sie vor allem ihre persönliche Entwicklung als Schlüssel zum Erfolg. „Gut Ding braucht Weile, und mein Gold ist die Geduld“, sagte sie nach der Niki-Verleihung mit einem Lächeln. 

Für den Österreichischen Bob- und Skeletonverband (ÖBSV) gab es in Wien gleich doppelt Grund zur Freude. Skeleton-Nationalteamtrainer Michael Grünberger wurde bei der Wahl zum Trainer des Jahres ex aequo Dritter. Damit erhielt auch die Arbeit hinter Flocks Olympiatriumph eine besondere Anerkennung.

Vom roten Teppich zurück aufs Eis

Die After-Show-Party musste Flock frühzeitig verlassen. Schon am Freitagvormittag ging es nach Norwegen. In Lillehammer stehen ab Samstag die ersten Eisfahrten auf dem Programm. Nach einem Sommer mit angepasstem Training und kleineren Verletzungsproblemen sieht sich die Olympiasiegerin wieder auf Kurs. Die Weltmeisterschaften 2027 in Lillehammer sind das große Ziel. Dort hält Flock den Streckenrekord und ist seit zwei Jahren ungeschlagen. Ein WM-Titel fehlt der 15-fachen Weltcupsiegerin noch in ihrer Sammlung.

Doch die nächste Goldmedaille ist nicht ihr einziger Antrieb. Flock möchte vor allem das, was sie in den vergangenen Jahren sportlich und persönlich gelernt hat, noch einmal im Wettkampf umsetzen. Ein besonderer Begleiter reist mit nach Norwegen: der Niki aus Wien. „Die Trophäe nehme ich natürlich mit, weil wir morgen direkt dort hinfliegen. Das gibt natürlich auch noch einmal einen extra Motivationsschub.“ 

Nach Olympiagold und der Wahl zur Sportlerin des Jahres ist für Janine Flock also noch lange nicht Schluss. Die nächste Herausforderung wartet bereits im Eiskanal von Lillehammer.